Die Jungfüchsin feiert Weihnachten

Die Füchsin, das Wiesel und die Eule

Es war Weihnachten. Die Jungfüchsin hatte sich von ihrer Familie getrennt und sich einen eigenen Bau gesucht. Es war vormals ein Dachsbau, sie erinnerte sich noch gut an des Dachses Hilfe. Es roch ein wenig streng, aber der Geruch würde vergehen, die Füchsin grub einen kleinen Ausgang auf der anderen Seite der Höhle. Es würde frischer Wind durchziehen.
Sie lag auf ihrem Lager und hatte sich fest zusammengerollt. Es war ein kalter Winter, die Wiese trug Eisblumen auf ihrem Schneebett und die Äste der Bäume und Sträucher bogen sich unter der Last des Schnees. Krähen und Amseln haben ihre Spuren im Schnee hinterlassen. Die kleinen Krallenfüße zogen sich durch den ganzen Wald, auf der Suche nach Futter. Die Eichhörnchen versanken im tiefen Weiß, wenn sie ihre vergrabenen Nüsse suchten. Denn Eichhörnchen vergraben nur so viele Nüsse, weil sie sich nicht mehr erinnern können, wo ihr letztes Versteck war. Und die Freude war jedes Mal groß, wenn eines ein Versteck wiedergefunden hatte und mit einem „tse tse tse“ darauf aufmerksam machte.
Es war für die Füchsin das erste Weihnachten ohne Familie und auch ohne Partner. Noch hatte sie keinen Jungfuchs gefunden, der ihre Lagerstatt teilen sollte.
Eines Morgens erwachte die Füchsin von der klirrenden Kälte, die durch den Fuchsbau zog. Sie schauderte, hob die Nase durch den Ausgang in den kalten Wind. Und begann, in Richtung des Hochsitzes zu schnüren. Die Nase immer am Boden in der Hoffnung auf Jagdüberbleibsel, die ihren Hunger vertreiben sollten. Sie witterte den Jäger. Er war am Vortag hier gewesen um die noch junge Mutter der vier Frischlinge zu schießen. Es gelang ihm nicht, und alle Tiere des Waldes waren froh darum. Dann erhaschte sie den Duft eines Hasen, der wohl den Weg gekreuzt hatte. Sie wollte nichts Böses, aber der Hunger quälte sie. Die Elstern lachten die Füchsin aus. „Tschak tschak, Du wirst nichts finden im weißen Schneebett, tschak tschak.“ Aber die Füchsin ließ sich nicht beirren. Sie begrüßte den Kleiber, der, wie immer, kopfüber die Baumstämme herunterlief auf der Suche nach Würmern. Und freute sich an dem wärmenden Gesang des Rotkehlchens, das genauso Hunger litt, wie sie selber. Ihr Magen knurrte fürchterlich, die Gedärme taten ihr weh und sie dachte wehmütig an ihr altes Zuhause, an den Altfuchs, die Fähe und ihren Bruder. Was er wohl jetzt gerade tat? Tief in Gedanken versunken, die Nase im Weiß, türmte sich vor ihr plötzlich ein Schneeberg auf. Die Füchsin stutzte, bremste und sah, wie sich aus dem Haufen Schnee vor ihr ein Gesicht erhob. Keck, schmal, mit einem leisen Lächeln. Das Wiesel!
„Hallo, Genossin“, sagte die Füchsin. „Was macht der Hunger?“
„Hallo, Jungfüchsin“, keckerte das Wiesel. „Ich bin auch auf der Suche nach Mäusen. Meine Tochter leidet Hunger.“
„Wie sollen wir den Hunger bezwingen?“ Fragte die Füchsin. „Ich freue mich am Tanz der Mäuse, ich kann sie nicht fangen, ihnen kein Leid antun.“
„Auch ich kann das nicht“, keckerte das Wiesel, obwohl die schlauen Augen etwas anderes sagten.
Aber die Füchsin wusste um die Probleme des Wiesels und wurde auch gewahr, dass die Wieselmutter alles tat, was in ihrer Macht stand, ihre Tochter zu ernähren. Denn Wiesel sind Einzelgänger und der Vater war schon seit langem wieder auf Beutezug. Und lange, lange hat ihn keiner mehr gesehen. Er durchzog den Wald auf der Suche nach neuen Abenteuern und Herausforderungen.
Der Füchsin schmerzten die Eingeweide, so sehr litt sie Hunger und sie sah keinen Ausweg. „Wiesel“, sagte sie, „Lass uns die weise Eule fragen.“
„Die Eule?“ entsetzte sich das Wiesel. „Kennst du ihren Speiseplan? Weißt du um die Gefahr, der wir uns aussetzen?“
„Ich weiß um Gefahr“, sagte die Füchsin, „aber ich weiß auch, dass die weise Eule abwägt und niemals hinterrücks zuschlägt. Lass uns mit ihr sprechen.“
„Du gehst voran“, sagte das Wiesel, und die Füchsin schnürte los. Es ging durch das Birkenwäldchen, das mitten im Wald ein verzaubertes, schneeglitzerndes Fleckchen war, dann über eine Lichtung. Hier lauerte Gefahr, die Füchsin und das Wiesel waren auf freiem Felde ohne Schutz, aber schnell überquerten sie die Lichtung um dann unter den tief hängenden Ästen der Kastanien Deckung zu suchen. Die Eule wohnte in einer hundert Jahre alten Eiche, und im Wald erzählte man sich, dass die Eule mindestens ebenso alt sei.
Die Sonne warf ein paar winterliche Strahlen durch das dichte Geäst und trotzdem war es unter den Bäumen dämmerig. Die Füchsin und das Wiesel stoppten und hoben die Nasen in den Wind.
„Hier muss es sein“, flüsterte die Füchsin. Das Wiesel schauderte. Beide blickten empor in die Krone der alten Eiche. Dort saß die Eule majestätisch und starrte sie aus ihren runden gelben Augen an. „Was wollt ihr?“ fragte die Eule und wendete den Kopf ein wenig, als ob es sie nicht interessierte.
„Wir leiden Hunger, “ sagte die Füchsin mutig, „und wir wissen keinen Ausweg mehr. Das Wiesel muss ihre Tochter ernähren.“
„Denkt ihr, nur Euch allein geht es so?“ fragte die Eule.
Beschämt blickten die Füchsin und das Wiesel zu Boden.
„Alle Tiere des Waldes leiden Hunger. Es ist Weihnachten und jeder möchte eine Mahlzeit.“
„Öffnet Eure Herzen“, sagte die Eule, etwas sanfter.
„Lasst Eure Feinde und Eure Freunde hinein, schaut und lebt.“
Und die Eule schloss ihre runden Augen und war still.
Ratlos blickten sich die Füchsin und das Wiesel an und machten sich vorsichtig auf den Rückweg.
Ja, es war Weihnachten. Das Gefühl wollte ihre Herzen erfüllen, jedoch ließ der Hunger es nicht zu.
Sie liefen geduckt zurück, unter den Kastanien her und kamen zur Lichtung.
Und was sie sahen, erfüllte sie mit Staunen und Freude.
Die Eichhörnchen wirbelten ihre Nüsse umher, die Amseln und Kleiber sammelten fleißig gefrorene Beeren und Würmer, das Damwild brachte Brotkanten vom Rande des Waldes, wo die Menschen sich aufhielten, die Maulwürfe gruben sich fleißig durch den Schnee, um Trassen für die kurzbeinigen Tiere zu schaffen, wie z. B. den Dachs, der, wie immer murrend und grummelnd, seinen Kastanienvorrat vom Herbst herbrachte. Es war ein Wirbeln und Wirken, ein Zusammenhalt, dass es eine Freude war. Alle Tiere des Waldes hatten sich versammelt, um zu Weihnachten für jeden eine Mahlzeit zu haben. Die Elstern trugen Dinge in ihren Schnäbeln her, die nicht unbedingt essbar waren, aber im sonnenbeschienen Schnee herrlich funkelten. Die Rotkehlchen sangen, was das Zeug hielt, die Tochter des Wiesels stand schelmisch dabei und klopfte den Rhythmus mit den Vorderpfoten. Der Hirsch, der König des Waldes, nickte wohlwollend mit dem Kopf auf dem sein schweres Geweih thronte. Die Feldhasen brachten das letzte Grün, was sie in den Gärten des Bauern gefunden hatten, selbst der Schäferhund des Bauern schlich sich mit eingezogenem Schwanz an, um sein letztes Wurstende in die Runde zu geben und schlich dann leise wieder zurück. Die Füchsin und das Wiesel waren beschämt sitzen geblieben und beobachteten das Treiben auf der Lichtung. „Was können wir bringen?“ fragte das Wiesel.
„Nichts“, sagte die Füchsin betrübt. „Ich habe nichts.“
„Ich auch nicht, “ sagte das Wiesel und da kam die Eule. Sie erhob sich mit ihren beeindruckenden Schwingen in die Luft und rief: „Lasst Weihnachten sein! Lasst uns einmal im Jahr in Frieden teilen, leben und schauen! Gebt denjenigen, die nichts haben, und lebt.“
Und alle Tiere des Waldes, auch die Füchsin und das Wiesel, tummelten sich bis spät in der Nacht auf der Lichtung, unbehelligt von den Jägern, und teilten, was sie hatten.

Wie ich es hasse, ich zu sein!

Auszug aus Kapitel 15:

[…]

„Mail an Giorgio:
„Mein lieber Giorgio,
wie ich es HASSE, hier zu sein! Wie ich es hasse, ICH zu sein! Was hat diese verdammte Klinik mir gebracht? NICHTS hat sich geändert. Ich verspüre in mir nicht die geringste Abweichung von meinem Leben davor. Weißt Du was? Ich will tot sein. Lass mich gehen, vergiss mich. Ich bin es nicht wert, ich trage Schuld in mir, und Hass. Ich weiß nicht, was Liebe bedeutet. Lass mich gehen, denn Gott mag keine jammernden, selbstmitleidigen Schlampen, Betrüger und Huren. Bitte, lass mich gehen. Gib mir Deinen Segen.
In tiefster Verzweiflung,
Deine Dich liebende Luna“

Luna sitzt vor dem PC und liest immer wieder, was sie geschrieben hat. Ist ein wenig selbst erschrocken, aber weiß, dass es die Wahrheit ist. Sie möchte nicht mehr sein. Nicht hier und jetzt. Nicht so, wie sie lebt, oder vegetiert. Sie steht schnell auf, stolpert und rammt sich mal wieder den Oberschenkel an der Schreibtischecke. Ungeachtet des Schmerzes geht sie schnellen Schrittes zur Bar und gießt sich einen…“Scheiße“, denkt Luna, der Brandy ist leer! Das Einzige, was noch da ist, ist Sherry, medium und dry. Sie mag ihn trocken, gießt sich also zuerst aus dieser Flasche ein, die noch neu ist. Innerhalb einer Stunde hat sie die Flasche geleert und steigt nun um auf den Sherry medium. Zwischendurch schaut sie immer wieder am PC, ob es Antwort von Giorgio gibt. Sie hat die Musik laut aufgedreht. „Let´s just pretend it didn´t happen…“ von Mike and the Mechanics dröhnt durch die Wohnung. Ja, Giorgio, denkt Luna, lass uns so tun, als ob es nie passiert wäre, als ob wir uns niemals kennen gelernt hätten, als ob mein Leben noch das Meinige wäre, so wie damals. Ich kenne Dich nicht, Du mich nicht. Ich habe niemals dein Verständnis, deine Wärme, deine Güte kennen gelernt! Tun wir so, als ob es nicht passiert wäre…“ […]

Vor 28 Jahren – Anfang Mai 1987

Auszug aus Kapitel 14 „Episoden für den Therapeuten“:

[…] Sie (Luna) parkt direkt vor dem Haus und klingelt. Sie hört schon auf der Straße die Musik. Nichts, was sie kennt. Ihr wird aufgedrückt und sie geht zwei Etagen nach oben. Aidan empfängt sie, eine Schar Typen ist um ihn herum. Sie wird begrüßt, ins Wohnzimmer geleitet und es gibt einen steifen Drink. Sie weiß nicht, was darin ist, aber er wirkt. Nach einer geraumen Weile, während der sie immer lethargischer wird, zieht Aidan sie vom Sofa hoch, sagt: „Komm, ich will dir was zeigen!“ und führt sie in einen Nebenraum. Es ist nicht besonders sauber dort, aber Luna ist in Erwartung einer Überraschung. Inzwischen sieht Luna manchmal doppelt, ist sehr träge und bemerkt um sich herum kaum noch etwas. Drei Typen kommen herein, scherzen mit Aidan, klopfen ihm auf die Schulter. Luna sitzt auf der Bettkante. Einer der Typen kommt auf sie zu, fummelt an seiner Hose herum. Luna beginnt zu ahnen, was auf sie zukommt. Sie wird vor Entsetzen völlig starr und kann sich nicht rühren. Der Typ zieht ihr Hose und Slip herunter und spreizt mit Gewalt ihre Beine. Er wirft sich auf sie, drängt in sie hinein! Luna schreit: „Nein, lass mich in Ruhe! Nein!“ Aber das, von dem sie dachte, es sei ein Schrei war nur ein heiseres Flüstern; seltsam anstrengend… Sie wehrt sich mit Händen und Füssen, bis Aidan sie an ihren Haaren nach hinten reißt und ihre Oberarme mit seinen Knien auf dem Bett festnagelt. Der Typ dringt mit Gewalt in sie ein, es schmerzt, es tut höllisch weh, Luna schreit immer noch, aber die Musik ist so laut, dass sie es dann irgendwann aufgibt. Denn niemand kann sie hören. […] Er lässt von ihr ab, zieht seine Hose hoch und sagt, zum nächsten gewandt: „Jetzt bist du dran!“ Luna denkt, sie müsse vor Ekel und Scham kotzen, als sich schon der nächste sich auf sie legt… […]

[…] …schon steht der Dritte da. Doch der hat Skrupel. Luna kann es sehen. Er will nicht, kann es nicht. Wird verlacht von seinen Freunden. Da sagt Aidan zu ihm: „Ich zeige dir, wie man es ihr macht!“ Und er dreht Luna auf den Bauch und nimmt sie […]. Luna stöhnt vor Schmerzen, aber sie wagt nicht zu schreien, wagt es nicht, um sich zu schlagen, lässt ihn gewähren, denn er ist doch ihr Freund, oder? Luna meint sich zu erinnern, dass die anderen ihn anfeuern. Zu ihm stehen. Ihr nicht helfen. Auf einmal ist alles vorbei. „Hast du das Geld?“ fragt er sie zornig. Und Luna gibt ihm die fünfzig Mark, die sie ihrem Vater aus der Brieftasche gestohlen hat. „Dann können wir gehen,“ sagt Aidan. Aber erst gehen sie ins Wohnzimmer. Einer der Typen streut eine Linie Pulver auf den Tisch, nimmt den Fünfzig-Mark-Schein, rollt ihn zu einer Röhre und schnupft einmal hin und her. Dann gibt er das Röhrchen an Luna weiter, nickt ihr aufmunternd zu und Luna macht es ihm nach. Nach rechts, mit dem anderen Nasenloch nach links. Innerhalb einer Minute denkt Luna, ihr Kopf würde bersten, ihre Nase ist auf das dreifache angewachsen und alles ist ihr scheißegal. Es ist Zeit, mit Aidan nach Hause zu gehen. Er scheint zufrieden, legt den Arm um sie und sie verlassen die Wohnung, steigen in ihren Wagen und fahren zu ihm nach Hause. Luna ist voller Schmerzen, Scham und der Gewissheit, dass sie das niemandem erzählen kann, jedoch hilft die geschnupfte Droge, das gerade Erlebte mehr wie in einem Traum wahrzunehmen. […]

Kapitel 13 – Erste Episode

In Kapitel 13 hinterlässt der Klinikbesuch erste Spuren. Mit Giorgio kann Luna eine erste „Beichte“ teilen. Sie erzählt eine Episode aus ihrer Leidensgeschichte. Erzählt sie auch dem Therapeuten dort.

[…] Luna fühlt sich ertappt. Ertappt dabei, wie sie das Gefühl „Mut“ als gutes und erfreuliches Gefühl erlebt. Aber Luna weiß, es ist von sehr kurzer Dauer. Sie darf nun mal nicht positiv fühlen oder denken, das verhindern schon die Stimmen in ihrem Kopf. Diese Stimmen… es sind derer drei: Alyssa, ihr dreckiges, ordinäres Gegenstück. Joon, ihr dunkles „Alter Ego“ und Luca, ein sanfter, schmaler, junger Mann. Er scheint nie Interesse für Luna zu hegen… oder er versteckt es gut…

Es ist ein Abend Mitte Februar 1987
Luna verbringt mit Aidan den Abend in der „Zwiebel“ in der Altstadt. Sie hat Spaß, viele Oldies kommen aus den Lautsprechern, das Bier und der Appelkorn fließen in Strömen. Außer den Beiden sind noch einige Freunde von Aidan anwesend, auch Petra ist da, mit der Luna sich ganz gut versteht. Gegen zwei Uhr nachts sinkt Lunas Kopf auf den Tisch, sie hat genug. Der Kellner kommt, will sie alle rausschmeißen, es ist Ladenschluss. Luna weigert sich, wehrt sich mit Händen und Füßen und wird auf die Straße gesetzt. Aidan und seine Freunde folgen. Einer von ihnen schlägt Aidan vor, die Nacht bei ihm zu verbringen. Es ist nicht weit, mitten in der Altstadt. In ihrem dösigen Kopf registriert Luna, dass es ein schöner Altbau ist, in dem er wohnt. Der Rest der Freunde hat sich schon verabschiedet. Aidan und Luna folgen Aidans Freund in den alten Aufzug, der bis in die vierte Etage fährt. Dort angekommen trinken sie noch einen Kaffee, aber Luna bittet darum, schlafen gehen zu dürfen. Sie ist völlig daneben. Aidan schließt sich an. Sein Freund zeigt ihnen ein Zimmer mit einer Matratze auf dem Boden, er richtet ihnen Kissen und eine Decke und geht dann nach nebenan. Aidan fängt an, seine Hand zwischen Lunas Beine zu stecken, reibt sie dort, fest und unangenehm. Er legt sich auf sie, drückt ihre Hose herunter. Luna selber kann kaum reagieren, weil sie so betrunken ist, sagt aber laut: „Lass mich in Ruhe, Du Wichser!“ Kurz darauf geht die Tür auf und Aidans Freund kommt herein. „Lass sie in Ruhe,“ herrscht er Aidan an. „Es ist wohl besser, wenn ich zu Euch komme!“ Er legt sich auch auf die Matratze, Luna liegt in der Mitte. Eine Weile ist Ruhe. Aidan macht inzwischen die typischen Schlafgeräusche eines Betrunkenen. Da fühlt Luna seines Freundes Hand an ihrem Oberkörper entlang gleiten. Er berührt ihren Busen, wandert weiter nach unten in ihren Slip. Dort stößt er seinen Finger in ihre Spalte. Luna ächzt erschrocken auf. Er legt ihr die Hand auf den Mund und stößt mit seinen Fingern zu. Dann nimmt er die Hand vom Mund und will sie küssen. Luna ist so betrunken, dass sie es zulässt, ihr ist nur übel und alles irgendwie egal. Er legt sich auf sie, versucht, in sie einzudringen. Aber da stemmt Luna ihre Hände gegen ihn, drückt ihn zur Seite. Dort bleibt er liegen, atmet schwer, macht aber keinen weiteren Versuch. Nach einer ihr endlos erscheinenden Zeit, schläft Luna schließlich ein. Gegen sechs erwacht sie, steht auf und schleicht sich aus der Wohnung. Sie fühlt sich dreckig, geht zur Straßenbahnhaltestelle und wartet dort, so wie viele andere verkrachte Existenzen, die sich um diese Zeit dort tummeln… Luna fragt sich, was um alles in der Welt vorhin passiert ist. Sie hat noch nicht einmal Aidan bisher an sich ran gelassen, wie konnte dieser Typ es wagen?

Soll sie es erzählen? All das, alles das, alle Geschichten, alle Episoden, alle Unterwürfigkeiten? Sie fühlt sich nicht in der Lage dazu, kann ihre Therapeutin nicht damit belasten. Ist das der falsche Weg? SOLLTE sie es nicht erzählen?
Alles in Luna sträubt sich dagegen. Denn sie wird in einem schlechten Licht erscheinen, wird als Hure abgestempelt werden, als eine, „die es doch wollte!“ Sie wird die Böse sein, das Luder, die Schlampe. Also hält sie den Mund. Sagt, es gibt Bilder in ihr, die sie nicht näher beschreiben muss. Aber weil sie es nicht muss, gehen diese Bilder auch nie wirklich weg! Wegschließen nützt nichts. Denn Luna ist nicht ehrlich. Es läuft vor ihr ab wie ein Film. Ein Pornofilm. Etwas dreckiges, heuchlerisches, falsches. Luna hegt arge Zweifel gegenüber sich selbst. Sie weiß zwar, wenn sie sich manchmal reflektieren kann, dass dies alles aus dem jahrelangen Missbrauch durch ihren Bruder resultiert, dass sie sich deshalb Gewalt sofort unterordnet, gehorsam ist, erstarrt, sich nicht mehr wehren kann. Aber diese Momente der Reflektion sind selten und sie werden durch Schuldgefühle sofort wieder ausgelöscht, das Trauma ist einfach mächtiger als klare Gedanken. […]

OUT NOW! Mein Buch.

Cover_finalEs ist der 26. Februar 2015.

Heute vor neun Jahren ist meine Mama gestorben. Ihr Tod weckte in mir eine Fülle von Erinnerungen und Leid, die ich die Jahre vorher gut verdrängen konnte. Nun war meine Mama tot und endlich begann ich, über einen Teil meines Lebens nachzudenken, den ich gerne vergessen hätte. Hieraus entstand meine Buch: „Schwester des Mondes – Teil meines Lebens“. Es ist auf neobooks. com erschienen und erhältlich bei allen bekannten E-Book Verlagen wie amazon, Thalia, Weltbild, apple iTunes, Bertelsmann, Google Play etc.

Ich bin sehr froh und auch stolz, das Ergebnis jahrelanger Arbeit nun vorstellen zu können. Ich danke allen, die auf irgendeine Weise an der Enstehung dieses Buches beteiligt waren.

Making Of „Sorella Di Luna – das Buch“ von meinem Begleiter „Giorgio“

miri-rose_bearbeitet-1Hier soll mein Begleiter und Kommentator Giorgio zu Wort kommen:

Making of “Sorella di Luna” – das Buch.
Ab Anfang des Jahres 2008 gab es den Austausch von e-mails zwischen Luna und mir. Diese mails waren damals von ihrer Seite aus meistens nur auf ihr aktuelles “Tagesempfinden” beschränkt, aber immer wieder erzählte sie mir dann auch von Ereignissen, die weit zurücklagen – Ereignisse aus ihrer Kindheit und Jugend. Da dieser Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit immer sehr sprunghaft geschah, machte ich Luna den Vorschlag mit mir zusammen das Projekt “Lifeline” durchzuführen.
Ich würde ihr in diesem Projekt strukturierte Fragen zu verschiedenen Lebensabschnitten stellen, sie könnte dann auf diese antworten und ich würde ihre Antworten kommentieren. Sie war damit einverstanden und das Projekt begann.
Meine Fragen bezogen sich auf Bindungen, Erziehung, geistige und soziale Entwicklung, allgemeine Verhaltensmuster und die psychische Geschlechtsindentität.
Chronologisch wurde “Lifeline” von mir in drei Lebensabschnitte aufgeteilt – in Kindheit, Jugend und Adoleszenz – die wir dann im schriftlichen Austausch der Reihe nach bearbeiteten.
Am Anfang kamen von Luna nur direkte Antworten zu den von mir gestellten Fragen, doch nach kurzer Zeit wurden diese Antworten auch mit Episoden aus ihrem damaligen täglichen Erleben (vermischt mit Tagebucheinträgen von damals – Luna führt, seit sie schreiben kann, ein Tagebuch) von ihr für mich “erklärt” – ein Teil dieser (meist negativen) Erlebnisse findet sich jetzt im Buch wieder – Luna wollte es so.
Der Inhalt und die sprachliche Qualität dieser mir damals mitgeteilten Episoden bzw. Tagebucheinträge brachten mich dazu Luna den Vorschlag zu machen nach Durchführung des “Lifeline-Projektes” daraus ein Buch entstehen zu lassen – in Form eines biographischen “Tagebuchromans”.
Luna war sofort mit dabei, von ihr kam dann noch die zusätzliche Idee auch Teile unserer e-mail-Korrespondenz in die einzelnen Kapitel einzubauen.
So kamen die vielen Kapitel nach und nach zustande, Luna schrieb sie erst an mich, ich hinterfragte Textstellen, wenn ich diese als “reiner Leser” nicht verstanden hatte, und ich kommentierte sie dann danach auch teilweise. Die einzelnen Kapitel entstanden so über die Jahre hinweg in gegenseitiger Zusammenarbeit (einige Kapitel wurden auch verworfen und tauchen im Buch nicht mehr auf),.
Diese Arbeit entwickelte aber auch leider einen ungewollten negativen Nebeneffekt, denn die intensive Beschäftigung mit ihrer Vergangenheit brachte bei Luna eben diese Vergangenheit immer mehr bewusst – und leider auch für sie im Erleben sehr bildhaft – zu Tage.

Was steht nun über Luna im Buch und was gibt sie mit dem Buch an die Leser weiter?       

Eine Biographie kann nie einen Menschen in seiner Gesamtheit beschreiben, ihn für andere vollkommen begreiflich, ja gar wirklich greifbar machen.
Sie wird immer subjektiv gefärbt sein, der objektive Wahrheitsgehalt hängt immer davon ab, was der Autor von sich preisgeben will.
Luna erzählt im Buch von sich und von anderen. Wenn sie dort von ihrer Vergangenheit erzählt, dann erzählt sie eigentlich fast immer nur, was andere mit ihr, an ihr gemacht haben, wie sie von ihnen benutzt wurde.
Wenn sie von der Gegenwart erzählt, dann erzählt sie, was sie deshalb heute empfindet.
Ich weiß, dass diese, von ihr so oft intensiv nacherlebten Erinnerungen, ihr viele Schmerzen bereitet haben. Diese Arbeit unter Schmerzen soll aber nicht vergebens bleiben, sie soll zeigen, dass es möglich ist Schmerzen aufzuarbeiten und dann auch mit an einer Lösung zu arbeiten.
Das Buch erzählt von einer multiplen Persönlichkeitsstörung und auch davon, wie sie in der Kindheit zustande kam.
Es geht darin um die damit zunächst verbundene Erinnerungslosigkeit und dem später einsetzenden schmerzhaften Wiedererinnern.
Es erklärt die Aufspaltung der Persönlichkeit nach sexuellem Missbrauch und / oder emotionaler Vernachlässigung in der frühen Kindheit.
Dieses Buch soll deshalb eben auch Betroffene ansprechen, es soll sie dazu motivieren sich Hilfe zu suchen.

Diese Hilfe beginnt für den Helfenden mit den Elementen: Nachfragen, Verhandeln und Zuhören.

Denn genau auf diesem Wege ist dieses Buch entstanden …
Ich wünsche der Autorin alles erdenklich Gute auf ihrem weiteren Weg!

Giorgio

Mein Buch – Aktuell

Cover_IINun dauert es nicht mehr lang!

Bald wird mein Buch veröffentlicht werden. Noch ein paar Kleinigkeiten ausbessern und dann ist es soweit. Wann und wo werde ich Euch bald mitteilen können. Ich bin sehr froh, dass es nun endlich soweit ist. Das hat mich viel Zeit und noch mehr Nerven gekostet.

Weihnachten

Hintergrund-Weihnachten.jpg

So schlimm. So schwierig. So… emotional…

Ein jeder von uns verbindet Weihnachten mit verschiedenen Gefühlen. Oft sind es nicht nur einfach Ruhe, Kerzen und sentimentale Musik… nein… viel zu viele von uns – von Euch – verbinden Weihnachten mit einer schlechten und elenden Zeit. Ich kann und will Euch nichts erzählen, was für Euch nicht stimmt.

Auch ich – Luna – verbinde nicht nur Positives mit Weihnachten. Aber vor Kurzem, in einer Gruppe, hat eine Therapeutin gesagt, man solle versuchen, aus allem, auch der kleinsten Sache, ein EVENT zu machen. Und – ganz ehrlich – manchmal gelingt es mir. Auch wenn dieses EVENT nur darin besteht, mich in aller Ruhe anzuziehen, einen Kaffee oder Tee zu zelebrieren und dann vielleicht ein Kapitel eines spannenden Buches zu lesen.

Für jeden von Euch bedeutet Leben etwas anderes. Ich würde mir wünschen, dass Ihr vielleicht ein kleines EVENT für Euch findet, das Ihr jeden Tag feiern könnt. Und noch mehr würde ich mir wünschen, Eure Meinung darüber zu hören.

Kapitel 12 – Brief an Gitty

Liebe Gitty,

es ist mir sehr schwer gefallen, diesen Brief zu schreiben. Ich verspüre ein schlechtes Gewissen und ich fühle die Schwere meiner Schuld Dir gegenüber. Ich kann nicht mehr tun, als es zu schreiben, wie es war und ist. Ich weiß, dass auch Du denkst, dass die Wahrheit das Einzige ist, was Dinge bewegen, ändern und auch zum Guten zurückführen kann.

[...] Du hast Dir in jeder Minute des Tages unendliche Mühe gegeben, mich zu verstehen, mir zuzuhören und mich zu beraten. Du hast mich umarmt, wenn es mir schlecht ging, Du hast mich behandelt, wie ein Familienmitglied! Ich durfte alles, ich bekam alles. Deine Güte gewann mit der Zeit so viel an Intensität, dass ich manchmal Angst vor Dir hatte.
Ich mochte Dich sehr. Ich werde niemals Deinen Schokoladenpudding vergessen, in den Du immer noch extra Nougatschokolade hinein gerührt hast. Du hast in dem Geschäft den Schlafanzug entdeckt, der Schäfchen-Motive hatte. Du hast mir so vieles Deiner Vergangenheit anvertraut und in vielem war unsere Geschichte auch ähnlich. Irgendwann kam dann aber der Moment, in dem ich mich verstecken musste. Meine Gefühle verstecken musste. Meine Gefühle für Deinen Mann, Giorgio. Oft war ich so unsicher, habe Giorgio vehement abgewehrt, weil ich Dich schützen wollte. Heute muss ich ganz ehrlich sagen, dass all das umsonst war. Ich war Giorgio verfallen. Mental und seelisch. […]

[…] Ich werde Dich nicht um Verzeihung bitten, weil ich weiß, dass Du es nicht annehmen kannst, was ich sehr gut verstehe. Daher kann ich Dir nur Abbitte leisten und hoffen, dass Dein und Giorgios Leben und auch das Leben Eurer Familie wieder zum normalen, liebevollen Alltag gefunden hat.
Ich denke an Dich zurück und versuche, meine Gedanken zu ordnen. […]

[…] Im Juni 2013 habe ich erfahren, dass Du schwer erkrankt bist. Oft glaube ich, dass es meine Schuld war. Dass die schlimme Zeit, die Du mit mir hattest, Dich hat erkranken lassen. Ist es so?
Ich wage es nicht, darüber nachzudenken… ich wage es nicht… vergib mir… […]

COPYRIGHT PONDERER_final