Kategorie-Archiv: Kapitel 2 – Mama

Kapitel 2 – Mama

Im zweiten Kapitel erinnert Luna sich an ihre Mama, die 2006 gestorben ist. Die Erinnerung schmerzt sie sehr, aufgrund dessen, was zwischen ihr und ihrem Bruder vorgefallen ist. Luna weiß nicht weiter und wendet sich in ihrer Verzweiflung an Giorgio. Sie schreibt ihm, was sie fühlt und bekommt unerwarteterweise eine Antwort von ihm, die er „im Namen ihrer Mutter“ schreibt. Die für Luna erschütternde komplette Antwort von Giorgio lest ihr in meinem Buch…

Luna schreibt:

„Liebe Mama, Du weißt, ich konnte nie reden, habe immer alles geschrieben. So viele Zettel, die ich unter der Wohnzimmertür durch geschoben habe. So auch jetzt. Ich weiß, dass Deine Familie und vor allem auch ich und mein Sohn, Dir unendlich viel bedeutet haben. Du warst unbeugsam für mich, bis zum letzten Tag unverletzlich. Dabei hast Du so ein schweres Leben gehabt. Deine eigene Mutter hat sich kurz vor Deiner Hochzeit umgebracht. Sie war krank. Depressiv. So wie Du. So wie ich. Du hast Dich immer in Dinge hinein fallen lassen können mit all Deinen Emotionen. Du warst fähig, sowohl intensive Trauer, als auch explodierende Begeisterung und Freude zu zeigen. Ich empfinde das auch, nur kann ich meine Emotionen nicht äußern. Du hast es auch uns Kindern nicht leicht gemacht. Trotzdem, eine Welt ohne Dich ist schwer vorstellbar. Wie unendlich leid tut es mir und wie sehr hasse ich mich dafür, dass ich nicht weinen kann. Ich will nicht groß und verantwortungsvoll sein, ich will ein Kind sein dürfen, schutzbedürftig sein. Ich kann all die Verantwortung nicht mehr tragen.
Ich hab Dich so lieb! Du wusstest ja nichts von dem, was zwischen mir und meinem Bruder vorging. Es war so schwer, es Dir zu verheimlichen, aber Deine Welt wäre zusammengebrochen…“

„[…] Liebe Luna,
ja, es hat mich oft geschmerzt, dass Du mich aus Deiner Seele ausgeschlossen hast, nicht mit mir geredet hast, immer nur alles mit Dir selbst ausmachen wolltest. Das war schlimm für mich, aber was sollte ich machen? Ich habe Dich immer geliebt, denn Du bist mein Kind, also ist meine Liebe bedingungslos und so wird es bleiben. […]“

COPYRIGHT PONDERER__final