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Kapitel 6 – Benzos & Alk

Es ist Ende Februar 2008. Luna bekommt während der Arbeit eine so schreckliche Panikattacke, dass sie sich spontan entscheidet, zu einem Arzt zu gehen. Dort bekommt sie zum ersten Mal ein Benzodiazepin. Ein Beruhigungsmittel. Schlaffördernd und vor allem eines: es macht sehr schnell abhängig…

[…] Sie erwacht morgens früh gegen halb fünf auf dem Boden vor der Toilette. Ihr Arm, auf den sie ihren Kopf abgelegt hat, ist taub. Sie muss ihn mit der anderen Hand vom Toilettendeckel herunter heben. Als sie das Kribbeln im Arm spürt, empfindet sie auch wieder eine Art von Leben in sich. Sie versucht aufzustehen, scheitert beim ersten Versuch. Sie setzt sich wieder hin und ergibt sich den Tränen, die sie voller Selbstmitleid willkommen heißt. Als die Tränen nach einer ihr nicht enden wollenden Zeit versiegen, holt sie tief Luft und steht ganz langsam auf. Stützt sich an der Wand ab, und richtet ihren Oberkörper auf. Ihr wird schwindlig, sie atmet tief ein und aus, dreht sich zum Waschbecken und lässt kaltes Wasser über ihre Handgelenke laufen. Es ist wie Nadelstiche auf ihrer Haut. Sie schnappt nach Luft, spürt wieder Extrasystolen. Als sie die Hände abgetrocknet hat geht sie Schritt für Schritt in Richtung Schlafzimmer. Sie fällt auf ihr Bett, weiß, sie sollte sich entkleiden, sich das Gesicht waschen, wenigstens die Zähne putzen! Der Geschmack, den sie auf der Zunge hat, erinnert sie an jeden Tropfen Alkohol den sie getrunken hat, an jede Zigarette, die sie im Laufe des Abends inhaliert hat. Sie ergibt sich, sinkt auf das Bett, alles dreht sich um sie. Wenn sie den Kopf nach rechts dreht, dann geht es. Dreht sie ihn nach links, wird ihr so schwindlig, dass sie meint, sie müsse sterben. Diese Vorstellung ruft in ihr ein leises Lachen hervor, sie stirbt nur mit dem Kopf nach links gewandt! Der Kopf nach rechts gedreht bedeutet Leben! Das leise Lachen kriecht ihre Kehle hinauf, entlädt sich in einem hysterischen Gekicher, mit der brennenden Frage im Hinterkopf: Willst Du sterben? Oder noch nicht? Sie hat keine Kraft, keine körperliche und keine gedankliche. Sie hört wie die ersten Vögel anfangen zu singen, denkt sich, ihr Mistviecher, ich will schlafen! Und während sie den Kopf von rechts nach links wendet, schläft sie ein.[…]

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