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Bitte – zähme mich!

bullyland-comicwelt-der-kleine-prinz-resin-10648671Im achten Kapitel des Buches ist Luna an einem Wochenende allein. Ihr Lebensgefährte ist verreist. In einem absolut intensiven Moment kann sie – auch mithilfe des Alkohols –  die Gefühle, die sie Giorgio gegenüber empfindet, endlich mal für sich aussprechen. Und sie denkt an eines ihrer Lieblingsbücher: „Der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Éxupery.

[…] Gegen Samstagnachmittag fühlt Luna sich besser. Sie ist unruhig und bewegungsbedürftig. Also zieht sie ihren Jogging-Anzug und ihre Turnschuhe an und macht sich auf den Weg, nicht ohne vorher einen kleinen Cognac zu trinken. Für den Kreislauf, sagt sie zu sich und muss über sich selber lachen. Die ersten fünf Minuten geht sie schnell, dann beginnt sie zu laufen. In ihrem Rhythmus. Es geht gut, sie fühlt sich fit und ist über ihre Kondition erstaunt. Acht Kilometer läuft sie an diesem Tag, ohne Probleme. Gegen 17:00 ist sie zu Hause. Sie setzt sich einen Moment hin, trinkt zwei Gläser Rum mit Orangensaft und geht dann unter die Dusche.
Sie macht das volle Programm, Peeling, Massage mit einem Schwamm, Rasieren. Sie fühlt sich gut, nach der Dusche gar noch besser. In ein großes Handtuch gewickelt und mit nassen Haaren geht sie ins Wohnzimmer. Sie ist immer noch hibbelig, euphorisch. Der Alkohol tut sein Übriges dazu. Sie macht die HiFi-Anlage an, in der noch ihre Lieblings CD liegt und dreht die Musik laut. Luna tanzt dazu und merkt, wie sie am Körper trocknet. […]

In ihr regen sich Gefühle, regen sich körperliche Reaktionen. Luna kann damit absolut nicht umgehen. SIe fühlt sich wie der Fuchs in dem Buch, der gezähmt werden möchte.

[…] Also muss sie ihre Zunge im Zaum halten, muss ihre Gedanken zurückhalten, muss sich selber zähmen, wie der Fuchs gezähmt werden möchte, muss sich zügeln und geißeln. Zähmung heißt Vertrauen, sagt sie sich. Aber Zähmung ist auch das Wissen darüber, dass man sich zurückhalten muss demjenigen gegenüber, der einen zähmen möchte. Also ist Zuneigung auch immer eine Form der Unterwürfigkeit, ist Nähe auch immer eine Art von Aufgeben. Also ist Liebe auch immer gepaart mit Kümmernis. Lunas Gedanken verwirren sich, sie gibt es auf, darüber nachzudenken und holt sich ein neues Glas. Dieses Mal Wodka mit Grapefruitsaft.
„Bitte, zähme mich.“ Hört Luna sich laut sagen, „Bitte, zähme mich!“ Ich bin dein, gehöre dir, du gibst mir alles. Bitte zähme mich. Und Luna verdammt sich für diese Worte, verflucht sich für das innige, brennende Gefühl, das sie Giorgio gegenüber verspürt. Denn es darf nicht sein. […]

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