Kategorie-Archiv: Meine „Inneren“ – Teile von mir

Joon, Luca, Alyssa und Lunetta.

Meine „Inneren“ – Teile von mir

Meine “Inneren”

Hier möchte ich Euch Teile von mir vorstellen. Persönlichkeitsanteile. Sie sprechen manchmal zu mir, diskutieren mit mir, oder sind einfach nur da. Diese Inneren besetzen verschiedene Ebenen meines Bewusstseins und repräsentieren Teile meines Ichs. Es gibt auch Zeiten, in denen sie sich nicht rühren. Hier sind sie:

Joon, Luca, Alyssa und Lunetta.

Zur Erklärung: Diese vier Persönlichkeitsanteile können mit mir „kommunizieren“. Manchmal höre ich tatsächlich ihre Stimmen, manchmal fühle ich sie nur und manchmal liegen sie mir auf der Seele, so dass ich sie verfluche! Ich kann nicht beantworten, ob sie Gutes oder Schlechtes wollen oder mir wünschen. Das zu benennen ist noch ein großes Stück (therapeutischer) Arbeit…

Luca

Luca ist ein dezimierter “Lukas”. Wer das war, wissen wir alle. Warum? Ich mag diesen Namen. Ich habe mir immer gewünscht, dass ich einen Hund haben darf. Der sollte dann Luca heißen. Jedoch… in Ermangelung eines Hundes…nahm ich den nächsten Persönlichkeitsanteil… Luca kam nach Joon. Das erste Mal sah ich ihn beim Joggen durch den nahegelegenen Park. Es war ungefähr im Sommer 2008. Lange habe ich ihn nicht wahrhaben wollen. Lange schob ich ihn weg, versuchte, ihn zu verdrängen. Das ließ er jedoch nie zu, obwohl er ein sanftes Gemüt hat. Wie er aussieht?

Groß. Schmal. Mittelbraunes Haar, das er ein bisschen länger trägt und sanfte Gesichtszüge. Kobaltblaue Augen.
Er steht nur dabei. Er sagt selten etwas…
Ich weiß nicht, warum. Hat er keine eigene Meinung? Ist er schüchtern?
Oder nur weise?
Er scheint nichts zu tun. Luca.
Er hört zu, aber bezeugt kein Interesse. Er ist da, will aber nicht helfen. Oder habe ich einfach nicht genügend Zugang zu ihm? Er ist immerhin als positiv besetzter Persönlichkeitsanteil in der Unterzahl! Bis heute habe ich es nicht geschafft, ihn näher zu sehen, als 50 Meter von mir entfernt…

Lunetta

Eigentlich gehört sie nicht zu Joon, Alyssa und Luca. Denn sie ist ich. Lunetta ist Luna. Lunetta hat Luna besonders in ihren ersten zehn Lebensjahren treu begleitet. Sie ist Lunas Zwilling, repräsentiert jedoch nur die drei- bis achtjährige Luna. Lunetta erfuhr mit drei Jahren ihre erste Bekanntschaft mit ihrem “ich”. Lunetta liebte klassische Musik, Ballett. Lunetta war immer für alle da und stellte sich schützend vor die, die nicht so viel Kraft hatten. Lunetta prügelte sich auch, wenn es nötig war. Jedoch immer  nur in der Absicht, Gerechtigkeit zu erlangen. Für Andere. Weniger für sich selbst. Lunetta hatte schon früh hohe Ansprüche an Moral, Ethik und Gerechtigkeit. Sie hat diese Ansprüche an die neunjährige Luna weitergegeben. Im Laufe der folgenden Jahre wurden diese Ansprüche jedoch  icht nur auf eine harte Probe gestellt, sondern in großen Teilen auch vergessen, verdrängt oder ausradiert… Wie sie aussieht?

Lunetta ist sehr jung. Wenn ich sie wahrnehme, dann ist sie höchstens sechs Jahre alt. Braunes Haar im Pferdeschwanz, braune Augen, die grün wurden wenn sie sich ärgerte…

Lunetta wird nur sporadisch in meinem Buch erwähnt, deshalb hat sie in meinem Leben trotzdem genau so viel Bedeutung, wie meine anderen “Inneren”.

Alyssa

Alyssa kommt aus dem Althochdeutschen und dem Englischen und bedeutet: von edler Herkunft (oder Gestalt). Wer mir diesen Namen für diesen Teil meiner Persönlichkeit zugeflüstert hat, weiß ich nicht. So wie ich es im Moment fühle, ist Alyssa weder edel noch hübsch. Sie ist ein Störfaktor zu dem mir nur ein Begriff einfällt: Dunkel.

Sie war auf einmal da, an einem dieser Tage auf der geschützten Station im Januar 2011. Ich lag auf meinem Bett, konnte nicht schlafen. Und da stand sie! Im Dunkel an der Tür. Sie hat mich nur angeschaut und ich wusste, dass sie all das Böse, Schlechte und Brutale in sich vereint. All das Schlechte, das in mir ist. Sie sagt nicht viel, dafür repräsentiert sie umso mehr, wenn sie mich nur anschaut. Wie sie aussieht?

So groß wie ich, dünn – fast mager, die Klamotten sind zu groß für sie. Sie starrt mich immer nur an, sie hat blondes, langes und verfilztes Haar und ihre Augen sind steingrau und bergen alles in sich und auch wieder gar nichts. Ich habe Angst vor ihr, weil sie ein Teil von mir ist. Jedoch ein Teil, den ich niemals kennen, geschweige denn leben wollte! Ich sehe Alyssa sehr oft. Überwiegend präsent ist sie, wenn ich im Gespräch mit einer Leidensgenossin oder einem Leidensgenossen bin.  Außerdem ist sie bei stationären Klinikaufenthalten ständig bei mir. Wenn ich zu Hause bin, hält sie sich zurück. Außer, ich habe wieder einmal viel zu viel getrunken…

Joon

Die erste Stimme, die ich zum Beginn meines Leidensweges kennen gelernt habe, gehört einem Mädchen mit Namen Joon. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht. Joon stand dort, vor meinem inneren Auge, sie stand dort und sprach auf einmal mit mir. Joon. Sie kann nicht anders heißen. Joon sagt:

Scheiße verdammt, wenn ich nur den ganzen Driss höre, den Du angeblich anvisierst. Vergiss es , diese angeblich vergangene, qualvolle und verf*** Zeit war die beste, die Du hattest. Weil Du sie am besten kanntest. Oder kennst? Gut, dass Du mich hörst, als abgewrackte Schlampe zu enden ist doch nichts Besonderes, oder? Los, kleine F***, Du weißt, was Du kannst. Ich mache mit, ich schieb Deinen A*** wohin Du willst. Kannst auf mich zählen! Wir Beide wissen, wo der Brandy steht und die Musik spielt! Ich werde immer wissen, wie Du Kohle beschaffen kannst. Scheiß doch auf ein “neues” Leben! Du wirst mich nicht los, ich kralle mich an Dir fest, damit Du immer öfter mit mir Vorlieb nehmen musst. Ich weide Dich aus, bis Du Ich bist!”

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Ja, das versucht sie. Sie versucht, mich auszuweiden, wie einen Kadaver, als wäre ich schon tot! Sie versucht, mir alles zu nehmen. Auch das, was von Luna kommt. Jedoch hat sie es noch nicht geschafft. Luna war bisher immer stärker. Ich vertraue Luna, trotzdem habe ich Angst… Wie sie aussieht?

Entgegen ihres schlechten Charakters und ihrer unverschämten Art sieht sie fast zahm aus. Lange, glatte und schwarze Haare. Tiefbraune Augen. Fast schwarz. Enge Jeans, legeres Shirt. Darüber eine ausgewaschene Jeansjacke. Halstuch und Kappe. Auffällige Chucks, terracottafarben. Etwas kleiner als ich. Sehr sportliche Figur.

Wo Joon herkommt, weiß ich gar nicht mehr so genau. Eines Abends habe ich sie empfunden. An diesem Abend hatte ich mir lange Bilder der Vergangenheit angeschaut. Und meine Verwandlung vom zarten, Ballett-liebenden Mädchen zum ich-will-unbedingt-ein-Junge-sein, dann von der androgynen Person, die lange Musik gemacht hat zur Frau, die alles an sich hasst. Wirklich unschuldig und ich-fühlend war ich nur in den ersten drei Jahren meines Lebens. Manchmal hasse ich es, dass mein Gedächtnis so verdammt weit zurück reicht…