Kategorie-Archiv: Joon

Joon

Die erste Stimme, die ich zum Beginn meines Leidensweges kennen gelernt habe, gehört einem Mädchen mit Namen Joon. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht. Joon stand dort, vor meinem inneren Auge, sie stand dort und sprach auf einmal mit mir. Joon. Sie kann nicht anders heißen. Joon sagt:

Scheiße verdammt, wenn ich nur den ganzen Driss höre, den Du angeblich anvisierst. Vergiss es , diese angeblich vergangene, qualvolle und verf*** Zeit war die beste, die Du hattest. Weil Du sie am besten kanntest. Oder kennst? Gut, dass Du mich hörst, als abgewrackte Schlampe zu enden ist doch nichts Besonderes, oder? Los, kleine F***, Du weißt, was Du kannst. Ich mache mit, ich schieb Deinen A*** wohin Du willst. Kannst auf mich zählen! Wir Beide wissen, wo der Brandy steht und die Musik spielt! Ich werde immer wissen, wie Du Kohle beschaffen kannst. Scheiß doch auf ein “neues” Leben! Du wirst mich nicht los, ich kralle mich an Dir fest, damit Du immer öfter mit mir Vorlieb nehmen musst. Ich weide Dich aus, bis Du Ich bist!”

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Ja, das versucht sie. Sie versucht, mich auszuweiden, wie einen Kadaver, als wäre ich schon tot! Sie versucht, mir alles zu nehmen. Auch das, was von Luna kommt. Jedoch hat sie es noch nicht geschafft. Luna war bisher immer stärker. Ich vertraue Luna, trotzdem habe ich Angst… Wie sie aussieht?

Entgegen ihres schlechten Charakters und ihrer unverschämten Art sieht sie fast zahm aus. Lange, glatte und schwarze Haare. Tiefbraune Augen. Fast schwarz. Enge Jeans, legeres Shirt. Darüber eine ausgewaschene Jeansjacke. Halstuch und Kappe. Auffällige Chucks, terracottafarben. Etwas kleiner als ich. Sehr sportliche Figur.

Wo Joon herkommt, weiß ich gar nicht mehr so genau. Eines Abends habe ich sie empfunden. An diesem Abend hatte ich mir lange Bilder der Vergangenheit angeschaut. Und meine Verwandlung vom zarten, Ballett-liebenden Mädchen zum ich-will-unbedingt-ein-Junge-sein, dann von der androgynen Person, die lange Musik gemacht hat zur Frau, die alles an sich hasst. Wirklich unschuldig und ich-fühlend war ich nur in den ersten drei Jahren meines Lebens. Manchmal hasse ich es, dass mein Gedächtnis so verdammt weit zurück reicht…