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Die Jungfüchsin feiert Weihnachten

Die Füchsin, das Wiesel und die Eule

Es war Weihnachten. Die Jungfüchsin hatte sich von ihrer Familie getrennt und sich einen eigenen Bau gesucht. Es war vormals ein Dachsbau, sie erinnerte sich noch gut an des Dachses Hilfe. Es roch ein wenig streng, aber der Geruch würde vergehen, die Füchsin grub einen kleinen Ausgang auf der anderen Seite der Höhle. Es würde frischer Wind durchziehen.
Sie lag auf ihrem Lager und hatte sich fest zusammengerollt. Es war ein kalter Winter, die Wiese trug Eisblumen auf ihrem Schneebett und die Äste der Bäume und Sträucher bogen sich unter der Last des Schnees. Krähen und Amseln haben ihre Spuren im Schnee hinterlassen. Die kleinen Krallenfüße zogen sich durch den ganzen Wald, auf der Suche nach Futter. Die Eichhörnchen versanken im tiefen Weiß, wenn sie ihre vergrabenen Nüsse suchten. Denn Eichhörnchen vergraben nur so viele Nüsse, weil sie sich nicht mehr erinnern können, wo ihr letztes Versteck war. Und die Freude war jedes Mal groß, wenn eines ein Versteck wiedergefunden hatte und mit einem „tse tse tse“ darauf aufmerksam machte.
Es war für die Füchsin das erste Weihnachten ohne Familie und auch ohne Partner. Noch hatte sie keinen Jungfuchs gefunden, der ihre Lagerstatt teilen sollte.
Eines Morgens erwachte die Füchsin von der klirrenden Kälte, die durch den Fuchsbau zog. Sie schauderte, hob die Nase durch den Ausgang in den kalten Wind. Und begann, in Richtung des Hochsitzes zu schnüren. Die Nase immer am Boden in der Hoffnung auf Jagdüberbleibsel, die ihren Hunger vertreiben sollten. Sie witterte den Jäger. Er war am Vortag hier gewesen um die noch junge Mutter der vier Frischlinge zu schießen. Es gelang ihm nicht, und alle Tiere des Waldes waren froh darum. Dann erhaschte sie den Duft eines Hasen, der wohl den Weg gekreuzt hatte. Sie wollte nichts Böses, aber der Hunger quälte sie. Die Elstern lachten die Füchsin aus. „Tschak tschak, Du wirst nichts finden im weißen Schneebett, tschak tschak.“ Aber die Füchsin ließ sich nicht beirren. Sie begrüßte den Kleiber, der, wie immer, kopfüber die Baumstämme herunterlief auf der Suche nach Würmern. Und freute sich an dem wärmenden Gesang des Rotkehlchens, das genauso Hunger litt, wie sie selber. Ihr Magen knurrte fürchterlich, die Gedärme taten ihr weh und sie dachte wehmütig an ihr altes Zuhause, an den Altfuchs, die Fähe und ihren Bruder. Was er wohl jetzt gerade tat? Tief in Gedanken versunken, die Nase im Weiß, türmte sich vor ihr plötzlich ein Schneeberg auf. Die Füchsin stutzte, bremste und sah, wie sich aus dem Haufen Schnee vor ihr ein Gesicht erhob. Keck, schmal, mit einem leisen Lächeln. Das Wiesel!
„Hallo, Genossin“, sagte die Füchsin. „Was macht der Hunger?“
„Hallo, Jungfüchsin“, keckerte das Wiesel. „Ich bin auch auf der Suche nach Mäusen. Meine Tochter leidet Hunger.“
„Wie sollen wir den Hunger bezwingen?“ Fragte die Füchsin. „Ich freue mich am Tanz der Mäuse, ich kann sie nicht fangen, ihnen kein Leid antun.“
„Auch ich kann das nicht“, keckerte das Wiesel, obwohl die schlauen Augen etwas anderes sagten.
Aber die Füchsin wusste um die Probleme des Wiesels und wurde auch gewahr, dass die Wieselmutter alles tat, was in ihrer Macht stand, ihre Tochter zu ernähren. Denn Wiesel sind Einzelgänger und der Vater war schon seit langem wieder auf Beutezug. Und lange, lange hat ihn keiner mehr gesehen. Er durchzog den Wald auf der Suche nach neuen Abenteuern und Herausforderungen.
Der Füchsin schmerzten die Eingeweide, so sehr litt sie Hunger und sie sah keinen Ausweg. „Wiesel“, sagte sie, „Lass uns die weise Eule fragen.“
„Die Eule?“ entsetzte sich das Wiesel. „Kennst du ihren Speiseplan? Weißt du um die Gefahr, der wir uns aussetzen?“
„Ich weiß um Gefahr“, sagte die Füchsin, „aber ich weiß auch, dass die weise Eule abwägt und niemals hinterrücks zuschlägt. Lass uns mit ihr sprechen.“
„Du gehst voran“, sagte das Wiesel, und die Füchsin schnürte los. Es ging durch das Birkenwäldchen, das mitten im Wald ein verzaubertes, schneeglitzerndes Fleckchen war, dann über eine Lichtung. Hier lauerte Gefahr, die Füchsin und das Wiesel waren auf freiem Felde ohne Schutz, aber schnell überquerten sie die Lichtung um dann unter den tief hängenden Ästen der Kastanien Deckung zu suchen. Die Eule wohnte in einer hundert Jahre alten Eiche, und im Wald erzählte man sich, dass die Eule mindestens ebenso alt sei.
Die Sonne warf ein paar winterliche Strahlen durch das dichte Geäst und trotzdem war es unter den Bäumen dämmerig. Die Füchsin und das Wiesel stoppten und hoben die Nasen in den Wind.
„Hier muss es sein“, flüsterte die Füchsin. Das Wiesel schauderte. Beide blickten empor in die Krone der alten Eiche. Dort saß die Eule majestätisch und starrte sie aus ihren runden gelben Augen an. „Was wollt ihr?“ fragte die Eule und wendete den Kopf ein wenig, als ob es sie nicht interessierte.
„Wir leiden Hunger, “ sagte die Füchsin mutig, „und wir wissen keinen Ausweg mehr. Das Wiesel muss ihre Tochter ernähren.“
„Denkt ihr, nur Euch allein geht es so?“ fragte die Eule.
Beschämt blickten die Füchsin und das Wiesel zu Boden.
„Alle Tiere des Waldes leiden Hunger. Es ist Weihnachten und jeder möchte eine Mahlzeit.“
„Öffnet Eure Herzen“, sagte die Eule, etwas sanfter.
„Lasst Eure Feinde und Eure Freunde hinein, schaut und lebt.“
Und die Eule schloss ihre runden Augen und war still.
Ratlos blickten sich die Füchsin und das Wiesel an und machten sich vorsichtig auf den Rückweg.
Ja, es war Weihnachten. Das Gefühl wollte ihre Herzen erfüllen, jedoch ließ der Hunger es nicht zu.
Sie liefen geduckt zurück, unter den Kastanien her und kamen zur Lichtung.
Und was sie sahen, erfüllte sie mit Staunen und Freude.
Die Eichhörnchen wirbelten ihre Nüsse umher, die Amseln und Kleiber sammelten fleißig gefrorene Beeren und Würmer, das Damwild brachte Brotkanten vom Rande des Waldes, wo die Menschen sich aufhielten, die Maulwürfe gruben sich fleißig durch den Schnee, um Trassen für die kurzbeinigen Tiere zu schaffen, wie z. B. den Dachs, der, wie immer murrend und grummelnd, seinen Kastanienvorrat vom Herbst herbrachte. Es war ein Wirbeln und Wirken, ein Zusammenhalt, dass es eine Freude war. Alle Tiere des Waldes hatten sich versammelt, um zu Weihnachten für jeden eine Mahlzeit zu haben. Die Elstern trugen Dinge in ihren Schnäbeln her, die nicht unbedingt essbar waren, aber im sonnenbeschienen Schnee herrlich funkelten. Die Rotkehlchen sangen, was das Zeug hielt, die Tochter des Wiesels stand schelmisch dabei und klopfte den Rhythmus mit den Vorderpfoten. Der Hirsch, der König des Waldes, nickte wohlwollend mit dem Kopf auf dem sein schweres Geweih thronte. Die Feldhasen brachten das letzte Grün, was sie in den Gärten des Bauern gefunden hatten, selbst der Schäferhund des Bauern schlich sich mit eingezogenem Schwanz an, um sein letztes Wurstende in die Runde zu geben und schlich dann leise wieder zurück. Die Füchsin und das Wiesel waren beschämt sitzen geblieben und beobachteten das Treiben auf der Lichtung. „Was können wir bringen?“ fragte das Wiesel.
„Nichts“, sagte die Füchsin betrübt. „Ich habe nichts.“
„Ich auch nicht, “ sagte das Wiesel und da kam die Eule. Sie erhob sich mit ihren beeindruckenden Schwingen in die Luft und rief: „Lasst Weihnachten sein! Lasst uns einmal im Jahr in Frieden teilen, leben und schauen! Gebt denjenigen, die nichts haben, und lebt.“
Und alle Tiere des Waldes, auch die Füchsin und das Wiesel, tummelten sich bis spät in der Nacht auf der Lichtung, unbehelligt von den Jägern, und teilten, was sie hatten.

Lyrisches

In diesem Bereich möchte ich uns die Gelegenheit geben, eigene Texte und Gedichte einzustellen. Bitte setzt hier nur Gedanken hinein, die Ihr selbst in Worte gefasst habt! Ich mache einfach mal den Anfang…